26/10/2011

Von der anderen Seite des Tellerrands...

Bevor's jetzt am Freitag erstmal für eine Woche nach Cape Town geht (yeeey!!), gibt's noch schnell ein paar bunt durchgemischte FOTOS aus den letzten Wochen... Im Programm: ein OpenAir-Konzert in den Botanic Gardens, das Rugby-Semifinale (das die Sharks klar gewonnen haben!) und biergetränktes Sonntagnachmittagsfußballgeschaue. Oh, und hübsches Essen... wie immer!

Meine erste arbeitsfreie Woche hier ist bisher eher kühl und verregnet (Ausnahme: Montag - da bin ich am Strand gleich mal in der Sonne eingeschlafen und hab mir trotz Sonnencreme mit Schutzfaktor 30 einen Mördersonnenbrand auf den Beinen geholt, tsts), aber das Dauergrinsen vergeht mir trotzdem nicht so schnell. Am Programm stehen neben Cape Town auch noch Puschls Besuch in Durban + diverse Ausflüge innerhalb KwaZulu-Natals und eine kurze Safari im Hluhluwe-Imfolozi Nationalpark, sowie hoffentlich ein Fußballspiel im großen Moses Mabhida Stadion. Und dann wird's langsam schon Zeit zum Verabschieden... was mir wohl wesentlich schwerer fallen wird, als noch vor wenigen Wochen erwartet.

Zugleich wächst die Vorfreude auf "daheim"... was spezifisch weder Österreich noch England meint, sondern generell Freunde und Familie und einfach EUROPA. Während ich mich ja immer nur bedingt begeistert mit dem Etikett "Österreicherin" identifiziert hab (nicht mal aus irgendeiner Ablehnung heraus, sondern weil's mich einfach nicht so recht anspricht... eher noch "Hermagorerin in Wien" oder "Wahlwienerin im Ausland"), bin ich hier definitiv nochmal mehr zur Europäerin geworden. Wir haben so viel gemeinsam und so richtig merkt man das erst, wenn man sich plötzlich einen Haxen ausfreut, weil man jemanden aus Tschechien, Portugal oder Irland trifft und weiß, dass das Gegenüber in so vieler Hinsicht einfach versteht, wovon man redet, während man für Leute aus Afrika oder auch den USA halt nun mal wesentlich mehr Hintergrund liefern muss, um seinen Punkt zumindest ansatzweise rüberzubringen. In England hab ich mir manchmal (= sehr selten ;)) gewünscht, andere Österreicher bzw. idealerweise jemanden aus Wien in unserer Gruppe dabei zu haben, der meine Art zu reden, meinen Humor und diverse Anspielungen ohne "Übersetzung" nachvollziehen kann. Is hier wohl das gleiche, nur halt ein paar Nummern größer. :)

Es scheint, dass im Ausland lebende Leute alle einen von zwei fast schon reflexhaften Prozessen durchmachen: entweder ein für mich relativ unverständliches Zurückschauen und Vergleichen, bei dem alles im Gastland unweigerlich als minderwertig und unterlegen im Vergleich zum lächerlich überhöhten DAHEIM wahrgenommen wird (das Verhalten kennt man ja grundsätzlich von nur bedingt freiwillig migrierenden (Wirtschafts-)Flüchtlingen... von zB einem Deutschen, der hier für ein Schifffahrtsunternehmen arbeitet und locker 4000€ im Monat mit heim nimmt, würd ich mir dann aber schon ein bissl mehr erwarten, als billig-rassistisches Geschimpfe über (Süd-)Afrika - dann geh doch heim, ne?!) oder andererseits die von mir beschriebene Ausweitung der Gruppe, der man sich zurechnet. Ich glaub, ich hab's ganz gut erwischt... Die komplette Selbstbezogenheit und angebliche Wichtigkeit in Österreich schien mir allerdings nie unverständlicher und auch komischer, als von hier aus besehen. Wir sind so ein kleines, unbedeutendes Land und ich freu mich ja schon, wenn jemand ohne höheren Schulabschluss, zB ein Taxifahrer oder Kellner, überhaupt weiß, wo Österreich liegt oder sagt, dass er schon mal jemanden von dort getroffen hat. Wie oft ich zB gefragt werde, ob wir denn auch eine "eigene" Muttersprache haben, obwohl uns die Deutschen ja als großer, dominanter Nachbar offenbar ihre Sprache aufgedrückt haben (völlig vernünftige Frage im multilingualen afrikanischen Kontext, wo nahezu jede/r vom Kleinstkindalter an zwei bis drei Sprachen spricht... meistens eine Stammessprache + die offizielle afrikanische Amtssprache des jeweiligen Landes + Englisch) oder wann wir denn von Deutschland unabhängig geworden sind (tricky question!) Wenn man länger redet, kennen die Leute dann doch einiges... Mozart, Berge und Schifahren und eisig kalte Winter mit ca. 3 Meter Schnee, Wien und das dazugehörige Schnitzel, Sigmund Freund ("Wasn't he German?!" Seufz.), Hitler (hier komischerweise kein "Wasn't he German?", haha), Arnold Schwarzenegger, Red Bull ("Really? That's from Austria??")... und natürlich die ewig wiederkehrende Frage, ob ich denn Jodeln kann. Der Film "The Sound of Music", den bei uns lustigerweise kein Schwein kennt, während der Rest der Welt sein Österreichbild darauf aufgebaut hat, is wirklich für einiges verantwortlich, haha.

Ja, und dann sind wir offenbar noch bekannt für rassistisches Verhalten. Ich würde zwar nicht annehmen, dass Österreich da schlimmer is als alle anderen europäischen Staaten, aber unter den Ländern, die von Afrikanern auf einer Europa-Tour oder zum Studieren besucht werden (also wohl eher Westeuropa, nachdem man vor Urlauben in Osteuropa wegen potenzieller rassistischer Übergriffe (noch) eher zurückscheut), stechen wir offenbar heraus. Ich habe bei ACCORD eine ganze Reihe Kollegen getroffen, die auf der European Peace University in Stadtschlaining studiert haben und von diesen über junge Rucksacktouristen bis zu Leuten, die jahrelang für die UNO in Wien gearbeitet haben, hat NIEMAND (ich schwöre, niemand!) nicht an irgendeinem Punkt so ungefähr folgendes gesagt: "You know, I had a great time and it's such a beautiful country, but wow, you guys don't have a lot of black people - and you hate them, right?!" Dafür sollten wir uns dann doch schämen, finde ich.

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