Schon seit Monaten denk ich immer wieder mal dran, dass/ob/wie ich das Blog wieder beleben soll, nachdem Freund und Feind ja vermutlich wissen wollen, wie es mir denn in der Ferne so ergeht. Das Ganze ist zwischendurch aus diversen Gründen einigermaßen eingeschlafen: Zuerst stieg die Frustration angesichts meines Komplettstillstands in Wien zunehmend auf ein Niveau, das ich anderen Menschen einfach nimmer zumuten wollte - und dann blieb mir auf Grund der knappen Frist von weniger als 2 Monaten zwischen Jobzusage und Übersiedelung nach Südafrika von einem Tag auf den anderen einfach kaum mehr Zeit zum Luftholen. Der zweiwöchige Teneriffa- und UK-Urlaub im Juni trug wohl auch nicht grad zur Entspannung des Zeitbudgets bei... ;)
Eine generalstabsmäßig durchgeplante Dauerstressphase später bin ich jedenfalls inzwischen in Durban angekommen und lebe mich im Großen und Ganzen gut ein. Das Highlight ist definitiv die Arbeit bei ACCORD (African Centre for the Constructive Resolution of Disputes), die mir endlich das Gefühl gibt, arbeitstechnisch zumindest vorerst am richtigen Fleck gelandet zu sein. Die 8 Arbeitsstunden pro Tag sind zwar mehr als intensiv (read: komplett anstrengend), aber zugleich auch total super. Die Bandbreite der Trainings- und Forschungsarbeit der NGO ist enorm umfangreich (auch die NGO selbst ist vergleichweise groß: über 50 MitarbeiterInnen hier in Durban, und nochmal ca. 40 am externen Standort in Burundi) und dadurch ist in irgendeiner Weise praktisch alles vertreten, das ich im Lauf meines Studiums jemals irgendwie ansatzweise interessant fand. Ich selbst bin als Research Intern der Peacebuilding Unit zugeordnet, die sich sowohl mit der Organisation von Trainingseinheiten zu diversen relevanten Themen für Angehörige afrikanischer Regierungen und NGOs befasst (der nächste, dreitägige Workshop findet in Kinshasa statt und richtet sich an Akteure, die durch ihr dabei erworbenes Wissen hoffentlich dazu beitragen werden, gewaltsame Zusammenstöße bei den bevorstehenden Wahlen in der DRC zu verhindern). Daneben ist die Unit selbst auch im Forschungsbereich aktiv - hier bin ich zu finden, während ich mit den anderen Aktivitäten bisher kaum zu tun habe. Als generelles Thema sowohl für mein eigenes Forschungsprojekt (das ich im Oktober perfekt ausgearbeitet der Allgemeinheit präsentieren soll - bisher hatte ich allerdings noch keine freie Minute, um genauer drüber nachzudenken, argh!), als auch für meine Arbeit innerhalb der Unit kristallisiert sich das bereits in meiner Dissertation in Bradford bearbeitete Thema rund um Konfliktfrühwarnung und neue Technologien / Medien / Crowdsourcing von Informationen heraus. Es gibt eine Reihe von KollegInnen, die sich ebenfalls mit der Thematik befassen und die Netzwerke und der Ruf von ACCORD sorgen dafür, dass für die nächsten Monate eine ganze Fülle von Kooperationen hinsichtlich entsprechenden Working Papers / Buchbeiträgen / allgemeiner Cutting Edge-Wichtigtuerei geplant ist. Die kleine Praktikantin wird natürlich versuchen, auf möglichst alles davon ihren Namen draufzupicken! ;)
[nb: Übrigens musste ich bis an's andere Ende der Welt reisen, um rauszufinden, dass gerade dieser Tage in Wien eine Konferenz zu diesem Thema stattfand, bei der tatsächlich praktisch alle großen Namen im Bereich vertreten waren. Was bin ich froh, dass ich das nicht im Online-Standard lesen musste, während mir irgendein EU-Hasser am Psychopathentelefon das Ohr abkaut - ich hätt's ja überhaupt nicht gepackt!! So hingegen hatte ich die Zusammenfassung aller relevanten Diskussionsbeiträge jeweils 2 Stunden nach Ende des Konferenztages im Email-Eingang ;)]
Neben der Peacebuilding Unit, die derzeit außer mir noch aus einem weiteren Intern (Abeyot aus Äthiopien - netterweise ein Studienkollege aus Bradford) sowie drei Festangestellten besteht, gibt es noch Peacekeeping (sind unter anderem in den Selektions- und Trainingsprozess von nicht-militärischem Personal für die African Standby Force der African Union eingebunden) und Peacemaking (die sich vor allem mit Konfliktmanagement, etwa durch Mediation auf lokalem, nationalem und internationalem Level, wiederum im Kontext der African Union, sowie der regionalen afrikanischen Gemeinschaften befasst). Auch diese Units haben zwei Schienen aus einerseits "Programmatic Activities" und andererseits Forschung.
Dennoch gibt es darüber hinaus noch zwei weitere Abteilungen: Einerseits das Knowledge Production Department (welches ausschließlich Forschung betreibt) und andererseits die Training Unit, die sich vor allem mit der Ausbildung diversester Akteure im Konfliktmanagementbereich befasst. Diese beiden Einheiten arbeiten also nicht etwa den drei vorher erwähnten Units zu (was ich vor meiner Ankunft hier eigentlich annahm), sondern bis auf einzelne Projekte relativ autark vor sich hin. Keine Ahnung, was von dieser Doppelgleisigkeit zu halten ist... Vorerst führt sie jedenfalls dazu, dass ich am liebsten einen Unit-übergreifenden Cluster aus Leuten mit meinem Schwerpunkt bilden würde, anstatt mir die Stunden für die Arbeit an "meinem" Early Warning-Thema irgendwo zwischen all den "Kannst du bitte schnell dasunddas recherchieren"-Aufgaben rauszustehlen, die mir derzeit meine Tage versüßen (wenig überraschend meistens Themen, zu denen ich bisher noch genau garnichts gemacht habe - das Netzwerk aus Studienkollegen und Freunden mit entsprechenden Spezialgebieten wurde schon in Woche 1 mehrfach auf seine Reaktionsschnelligkeit und Hilfsbereitschaft getestet)
Auch mittelfristig zeichnen sich durchaus positive Entwicklungen ab: Man will's ja nicht verschreien (wie immer...), aber im Organigramm sind einige leere Flecken zu finden und mit Ende diesen Monats hören zwei weitere Mitarbeiter auf, davon eine der drei Frauen aus meiner Unit. Bei meinen Einführungsmeetings mit den diversen Units wurde offensichtlich, dass man grundsätzlich mehr als gerne Interns für fixe Stellen rekrutiert - habe mein diesbezügliches Interesse natürlich auch brav ausgebreitet. ;) Alle Stellen werden zunächst innerhalb der NGO ausgeschrieben... mal abwarten, wann es so weit ist! Perfekt wäre ein Vertrag für ein Jahr ab ca. September - länger mag ich nämlich sicher nicht bleiben, aber als Einstieg in den Forschungsbereich ist die Arbeit hier einfach ideal.
Das wär's erstmal... Eigentlich hätte das hier nur eine kurze Einleitung zu einem Posting über etwas ganz anderes werden sollen - aber das gibt's dann in Kürze, denke ich. Auf der rechten Seite gibt's unter dem Header "Pics" übrigens Fotos vom Teneriffa-Urlaub und aus dem absolut verrückten Dubai, wo ich auf der Anreise einen eintägigen Zwischenstop eingelegt habe. Und ein paar erste Eindrücke aus Durban sind auch schon da...
1 comment:
na, geht doch - endlich wieder ein bericht! die dubai-fotos hab ich ja noch gar nicht gesehen! sie sind super, überhaupt die "winter-bilder" find ich interessant:-)es hatte da ja über 35° u. der schnee ist nicht geschmolzen ;-)!!
bussi
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