15/12/2010

hopeful in Vienna

Wieder zurückgekehrt von der Minimalversion meiner Graduation in Bradford, die schneebedingt statt aus der formellen Zeremonie + anschließendem kleinem Empfang am Institut nur aus letzterem Programmpunkt bestand. Nachdem sich am Mittwoch innerhalb weniger Stunden ca. 25cm Schnee anhäuften, ging im definitiv nicht winterresistenten England für mindestens einen halben Tag einfach garnichts mehr: kompletter Verkehrsstillstand, geschlossene Geschäfte und Schulen und - leider - auch eine Schließung der Universität "for health and safety reasons" nach der ersten Zeremonie am Mittwochmorgen. Meine für Donnerstag vorgesehene Graduation war damit natürlich auch erledigt. Während sich der "Zweite Stellvertreter des Vizerektors" höchst unkooperativ zeigte und uns noch nichtmal unsere Zertifikate herausgab, damit wir sie uns gegenseitig überreichen können (vermutlich frustriert wg. seiner vor Unbedeutsamkeit strotzenden Jobbezeichnung), waren die hochoffiziellen "Gownhireres" wesentlich netter und überließen uns spontan immerhin eine (= 1!) Robe + Mortar Board für alle ca. 30 Absolventen gemeinsam, die wir dann für die Fotos abwechselnd anziehen konnten.

Letzten Endes war's dann eh ganz nett - viele angereiste Kolleginnen und Kollegen (u.a. aus den USA, Jordanien und Nigeria - nicht, dass das den zweiten Stellvertreter usw. überzeugt hätte, dass die Durchführung unserer Feier am eh schon wieder praktisch schneefreien Donnerstag vielleicht angesichts der Reisekosten doch ratsamer wäre als die der großteils sowieso um's Eck wohnenden Absolventen der restlichen Institute), diverse Eltern, sonstige Familienmitglieder und Freunde, immerhin eine Institutsangehörige, die sich durch den Schnee zu uns durchgekämpft hatte, englische Weihnachtslieder und paneuropäische Weihnachtsbäckerei und natürlich Bryan mit professioneller Kamera und Fotostudioausrüstung für großmuttertaugliche Absolventenbilder im Schlepptau. Die Fotos gibt's vermutlich zu sehen, nachdem er morgen endlich durch Abgabe seiner Dissertation ebenfalls sein Studium abschließt. Alles in allem irgendwie eine eh ganz passende Feier für das Department of Peace Studies, das ja sowieso immer irgendwie "ein bisschen anders" ist, gerade im Vergleich mit dem Rest dieser Substandard-Uni.

Seit meiner Rückkehr stand einerseits das obligate Vorweihnachts-Völlerei-Wochenende mit Punsch und Fondue im Kreise ausgesuchter Verwandtschaft, andererseits ein Wechselbad aus Hoffen und Bangen am Programm: Die Bewerbung für meinen mehr-oder-weniger-Traumjob hier in Wien(!) ist am Laufen und ich bin dermaßen darauf fokussiert, dass ich die Zeit bis zum Ende der Bewerbungsfrist am liebsten schlafend möglichst schnell hinter mich bringen würde. Wobei ich zugeben muss, in den vergangenen Nächten auch bereits mehrfach davon geträumt zu haben. Irgendwie habe ich von Anfang an ein geradezu unerklärlich gutes und sicheres Gefühl, dass ich den Job ganz bestimmt bekommen werde, weil einfach alles perfekt passt - bis zu dem Punkt, an dem ich mich in Erzählungen bereits unabsichtlich mit "wir" auf das dortige Arbeitsteam beziehe; zugleich is da die Panik, mir meiner Sache völlig unangemessen viel zu sicher zu sein und dann wirklich bodenlos enttäuscht zu werden. Gerade nach den Gesprächen in Bradford, die mir wieder vor Augen geführt haben, wie verdreht die Arbeitswelt für Absolventen dubioser Sozialwissenschaften tickt (jüngstes Beispiel ist die gestrige Jubelmeldung eines Kollegen auf Facebook: nach einem mehrmonatigen Auswahlverfahren mit drei ausgedehnten Interviews und zwei Tests, permanentem Emailverkehr und zahllosen Telefongesprächen habe er den ersehnten Posten endlich erhalten: ein unbezahltes Internship) kann ich mir irgendwo fast nicht vorstellen, dass ich tatsächlich das Glück haben sollte, eine "richtige" Arbeit, die auch noch meinen Interessen entspricht, zu ergattern. Auch bleibt natürlich die nagende Sorge, dass es sich bei der Besetzung möglicherweise um einen Prozess mit sowieso schon feststehendem Ausgang handeln könnte. Somit besinnliches Warten und Bangen...

[nb: Details zum Job gibt's dann nach dem Ende der Bewerbungsfrist - man will's ja nicht verschreien usw. usf. blabla oder sonstwie vermurksen *paranoia*. Einstweilen sei versichert, dass ich in den nächsten Wochen wohl an praktisch nichts anderes denken werde.]

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