Nach einem letzten geradezu unmenschlichen Schreibmarathon (inkl. einer durchgehend am Laptop verbrachten Nacht) hab ich gestern mit dem Research Proposal für meine Dissertation auch die letzte noch fehlende Arbeit vor dem Sommer abgegeben. Nach nur 1,5h Schlaf war ich wenig überraschend schon mehr oder weniger jenseits jeglicher Qualitätsansprüche, aber insgesamt is es glaub ich ganz ok geworden. Viel wichtiger: ich bin wirklich zufrieden mit meinem gewählten Thema und freu mich schon richtig drauf, mit der Arbeit anzufangen. Gehen wird's um den potentiellen Einfluss von frei verfügbaren Geographical Information Systems (das bekannteste davon ist Google Earth) auf die Früherkennung/Verhinderung von Völkermord. Das Hauptargument besteht darin, dass durch die zunehmende Verfügbarkeit entsprechender Daten (zB Satellitenaufnahmen von Flüchtlingslagern und zerstörten Dörfern oder mit geostationären Daten verknüpftes Bild- und Videomaterial) im Zusammenspiel mit v.a. onlinebasierten "neuen Medien" wie Social Networking, Weblogs,... und den dort organisierten zivilgesellschaftlichen Initiativen eine quasi parallele Alternative zu "konventionellen" Frühwarnsystemen, die üblicherweise durch internationale Organisationen oder staatliche Akteure betrieben werden, entsteht. Somit sind sowohl die Informationen, die auf einen stattfindenden oder drohenden Völkermord hinweisen, als auch darauf basierende Bemühungen von NGOs und Privatpersonen, politische Akteure zu einer entsprechenden Reaktion zu bewegen, zunehmend "öffentlich" und zivilgesellschaftlich, und damit von der institutionellen Ebene abgekoppelt. [wie lang ich jetzt gebraucht hab, um das zumindest halbwegs verständlich auf Deutsch auszudrücken, wird für immer mein düsteres Geheimnis bleiben...]
Die somit erfolgreich genommene letzte Hürde wurde natürlich auch entsprechend befeiert. Anstatt also nach dem diesmal wirklich in letzter Minute erfolgten Einreichen vernünftigerweise erstmal heimzugehen und den 1,5 Stunden Schlaf noch ein paar hinzuzufügen, haben wir uns alle gemeinsam bei perfektem Frühsommerwetter mit Bier und Essen auf dem "Amp", einer großen Wiese am Campus, den ersten Sonnenbrand des Jahres geholt. Am Abend gab's Curry und dann wie nach jeder Deadline üblich eine Party, die ich aber relativ früh verlassen musste, weil ab einem gewissen Zeitpunkt trotz nurmehr-Wasser-trinken einfach nichts mehr ging. Ich glaub, ich bin unmittelbar in dem Moment, in dem mein Kopf den Polster berührt hat, in einen komaähnlichen Tiefschlaf gefallen, haha.
Heute Nachmittag wurde auf derselben Wiese gegrillt - sehr nett, vor allem wegen dem Drumherum aus vielen verschiedenen Gruppen von Studenten, die grillen, Shisha rauchen, Frisbee-, Fußball oder Cricket(!) spielen. Sowas wäre in Wien auch fein... v.a. wegen der WESENTLICH relaxteren Einstellung zur Verwendung von Einweggrillern. ;)
Morgen dann endlich der Trip zum 5. Tolstoy Cup, einem alljährlich ausgetragenen Match zwischen dem aus Studenten und Professoren bestehenden Peace Studies FC und der Fußballmannschaft des Department of War Studies am King's College London. Das Spiel findet immer wechselseitig in Bradford oder London statt - nach dem Valley Parade Stadion im Vorjahr ist heuer also ein Austragungsort in London an der Reihe. Nachteil: die Mannschaft und der beachtliche Supporter-Anhang müssen sich schon um 7:00 auf den Weg machen - was meiner Morgenunmenschlichkeit natürlich nicht grad entgegenkommt. Der "Cup" (eine in einen goldenen Rahmen gefasste Ausgabe von Tolstois "Krieg und Frieden") war heute auch kurz bei der Grillerei am "Amp" anwesend - ganz unzeremoniell in einem Plastiksackerl für die Hin- und hoffentlich auch wieder Rückreise vorbereitet. Bis jetzt ging er noch jedes Mal an das Department of Peace Studies - ich geh also mal optimistisch davon aus, das wir ihn auch diesmal wieder mit in den Norden nehmen können... ein Match "Krieg" gegen "Frieden" darf ja auch kaum anders ausgehen, hehe. Ausgehend von den bereits im Vorfeld in der Facebook-Gruppe zum Match ausgetauschten "Nettigkeiten" (wer War Studies macht, sieht ganz offenbar wenig Sinn darin, "Frieden" zu studieren, tsts) kann aber davon ausgegangen werden, dass es ein durchaus ernsthaftes Match werden wird.
Am Abend werden wir von den War Studies Leuten in ihr exklusives Institutsgebäude direkt an der Themse eingeladen - auf das natürlich auch vorgesehene gemeinsame Anschauen des Champions League-Finales würd ich mich allerdings wesentlich mehr freuen, wenn ich zumindest ein Fünkchen Sympathie für eine der beiden antretenden Mannschaften aufbringen könnte.
Insgesamt also eine Stimmung ein bisschen wie früher, wenn die Sommerferien angefangen haben. Und im Gegensatz zu nahezu allen meinen Studienjahren hab ich diesmal auch das Gefühl, mir das nach diesen wirklich arbeitsintensiven Monaten auch richtig verdient zu haben.
School's out for Summer... :)
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