Gestern gab's als kurzen Ausflug aus dem Alltagswahnsinn einen netten Abstecher zum Freundschaftsspiel Österreich : Schweden nach Graz - unterhaltsame bis leicht bedenkliche psychische Störungen waren allerdings auch dort zu beobachten. Während die Schweden insgesamt durchaus sehenswert und angenehm unaufgeregt ein 0:2 herausholten, froren sich im Auswärtssektor ca. 50 Fans bei alkoholfreiem Bier und eisigen Temperaturen den Hintern ab. So weit, so gut - viel mehr an Auswärtsfans war für ein derartiges Spiel ja auch leider nicht zu erwarten und wie man es von den Schweden gewohnt ist, brachten diese auch so durchaus ein gefälliges Motiv für die ORF-Kameras zustande. Doch Moment... bei genauerem Hinsehen zeigte sich, dass unter den Anwesenden soweit feststellbar genau eine(!) - standesgemäß übrigens gründlich angetrunkene - Person zu finden war, die tatsächlich als Schwede gelten kann (im Zuge dieser Studie gewertete Kriterien: schwedischer Reisepass, umfassende Sprachkenntnisse) Immerhin noch ein weiterer Anwesender konnte wenigstens den zweiten Teil dieser Bedingungen erfüllen - wenig überraschend eines der Mitglieder unserer dreiköpfigen Abordnung. Den Rest der vermeintlichen "Schweden" bildeten allfällige Österreicher in mehr oder weniger fortgeschrittenen Stadien des Identitätsverlusts. Nicht nur um dem Vorwurf der Heuchelei auszuweichen, gestehe ich bereitwilligst ein, da ja durchaus auch hineingerechnet werden zu können: wie auch schon bei meinen spärlichen vorhergehenden Länderspielerfahrungen reichten einige Stunden mit Blick (und Ohr!) auf die österreichischen Fans wieder mal, um zu zeigen, dass das Identifikationspotential hier einfach nicht und nicht größer werden will - eher ganz im Gegenteil. Andererseits darf ich mich wenigstens der (schwachen) Handvoll an "Auswärtsfans" zurechnen, die zumindest die absolute Mindestschwelle für eine gerechtfertigte Anwesenheit überschreiten und die schwedische Hymne einigermaßen fehlerfrei mitsingen konnte. Diesbezügliche Defizite hielten viele der Anwesenden hingegen nicht von vielfältigen Auswüchsen ab: Drei wild grölende "Vorzeigeschweden" komplett mit Trikots, Langhaarperücken, Plastik-Wikingerhelmen, blau-gelb bemalten Gesichtern - und urtümlich kärntnerischem Dialekt. Eine hysterisch-aufgekratzte Mutter mit zwei verschüchterten Jungs im Kindergarten-/Volksschulalter im Schlepptau, die - ausgestattet mit jedem nur erdenklichen Fanaccessoire inklusive passender Tasche, Gesichtsbemalung und Fingernägellackierung, sowie aufwändigster Haarfärbereien an ihr und dem bedauernswerten Nachwuchs - etwa 15 Minuten nach dem Anpfiff erschien und den Rest des Spiels damit verbrachte, mit irrem Blick in ihr Handy zu kreischen und die irritierten Umstehenden in hektische Gespräche zu verwickeln. Diverse Groupies ("Schauuuu!!!! Schweeeeden!!! Glaubst darf ich einen fotografieren?"), deren diesbezügliche Motivation irgendwie im Dunkeln blieb, und Betrunkene inkl. Fahnen/Trikots/WeinWeibGesang als Füllmaterial. Als Highlight: ein zunächst noch ganz begeistert "verschwedeter" Angehöriger der akademischen Nachwuchselite(sic!), dem angesichts unkontrollierbarer Aggressionsschübe, ausgelöst durch zugegeben unverblümte, jedoch argumentativ (leider) definitiv haltbare Österreichkritik, wohl dringender Bedarf an einer profunden Aufarbeitung tiefsitzender Komplexe, Minderwertigkeitsgefühle und daraus entspringender Identitätskrisen diagnostiziert werden kann.
Länderspiele in Österreich... jedes Mal wieder Garant für latent verstörende Blicke auf den Unterbauch der österreichischen ((Pseudo-)Fußballfan-)Seele.
1 comment:
helt underbar kommentar! :)
p.s.: en jävla massa bönder!
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