Das war sozusagen das Konzert-Äquivalent zu schlechtem Sex - nicht die völlig abgrundtiefe und komplett verzichtbare Sorte, eher "juhu, das wird voll super... hmm... najaaaa... egal, machen wir's beste draus... na wird ja eh... ach näää, doch nicht... na geeeehhh, so kann das ja garnix... oida... himmelarsch was mach ich hier eigentlich?!... pfffffts... hmm, vielleicht richt ich mir nachher noch ein Wurstbrot, wenn das vorbei is"
Da wie dort scheitert's letztendlich nur an Kleinigkeiten; diese lagen allerdings da deutlich mehr als dort wirklich völlig außerhalb meiner Einflusssphäre. Konkret lag's eigentlich ausschließlich daran, dass ich arme Seele mich in den hinterletzten Winkel, wo sich Fuchs und Hase und sitzende(!) Adabeis "Gute Nacht" sagen (und wohin sich vermutlich ein kleines Tier zurückziehen würde, das in der ausverkauften Stadthalle einen möglichst ruhigen Platz zum Sterben sucht) verbannt habe.
Die Grundzutaten für ein großartiges Konzert waren alle da - und höchstwahrscheinlich hätte ich unten vor der Bühne auch genau dieses erlebt. U-förmiger Bühnenaufbau, wobei beide Sidestages ausgiebig genutzt wurden; sehr sympathische, aber nicht übertriebene Interaktion mit dem Publikum; der deutliche Eindruck, dass die Band wirklich Spaß hat an dem, was sie tut und möchte, dass auch das Publikum eine richtig tolle Zeit hat; großartige Bühnenshow (Lichter! Und Papierschmetterlinge!); eine kleine Wundertüte von einer Setlist, aus der auch einige nette Überraschungen auftauchten, darunter u.a. diverse Mainstreambekanntheiten von früheren Alben, zB Fix You (perfekt... der Moment, als die Gitarre einsetzte, entspricht dem "na wird ja eh!" im eingangs erwähnten Beispiel), The Scientist, Politik, Clocks, Speed of Sound und - extra für mein 16jähriges Alter Ego, das dieses Lied überhaupt nicht mochte - Yellow als letzte Zugabe. Ich liebe Konzerte, bei denen ich jedes einzelne Lied kenne. Weil dieser Moment ca. nach den ersten beiden Tönen, in dem man errät, was jetzt kommen wird, einfach so perfekt ist. Das großartige vom-Anfang-bis-zum-Ende-Mitsingen macht allerdings umgeben von Gleichgesinnten deutlich mehr Spaß als in der Sterbeecke.
Ganz toll auch der plötzliche Abgang von der Bühne nach ca. 1 Stunde Spielzeit. Während sich die Leute auf den Stehplätzen noch verwirrt umschauen, sieht man von oben die Band + Security außen an der Menge vorbeilaufen und plötzlich inkl. Instrumenten genau auf der anderen Seite der Halle, am Treppenabsatz zwischen den Sitzplatz-Rängen (von mir bedauerlicherweise nur marginal weniger weit entfernt als die Bühne selbst) wieder auftauchen, wo dann The Scientist und irgendwas mir akut entfallenes gespielt wurden.
Minuspunkte (abgesehen von 2. Rang Nord letzte Reihe umgeben von Zombies): Chris Martin war wohl nie Mitglied im Schulchor, oder wenn doch, dann hat er die - wenn auch zugegeben nervtötende - Grundanforderung vor jedem Auftritt vergessen: ein-sin-gen. Macht keinen Spaß, sorgt aber dafür, dass man nicht erst nach einem Drittel der Show auch wirklich alle angepeilten Töne trifft und zeigen kann, dass man eigentlich eine ziemlich gute Stimme hat. Möglicherweise als Ausgleich dafür erinnerten die gefühlt ziemlich langen Pausen zwischen den einzelnen Liedern an den Auftritt einer Schulband - die allerdings sehr nette Verabschiedung von allen Bandmitgliedern nebeneinander auf der Bühne + Verbeugung Richtung Publikum hat da auch dazugepasst.
Hauptkritikpunkt: was zum Henker treibt Leute dazu, zu einem Konzert von einer Band zu gehn, von der sie grad mal ein Lied kennen?! Und dann sitzen sie da und machen Fotos mit ihrer supergeilen Handykamera (die Unmenge an leuchtenden Displays, die von meinem erhöhten Platz aus sichtbar war, hat mich btw generell etwas irritiert - kommt denn niemand mehr einfach zum Hören/Schauen, sondern alle nur zum Aufnehmen und dann damit angeben/blöd auf Youtube stellen? Wie die japanischen Klischeetouristen...) und freuen sich, wenn das eine Lied endlich kommt. Dann wird geklatscht und vielleicht ein bissl mitgesungen und das war's dann wieder. Und ich mittendrinn, gnnnn.
"Das Lied" war in dem Fall natürlich Viva La Vida - letzter Punkt in meiner Mängelliste: der in der Liveversion hinzugefügte grauenhafte Dancehall-Beat. Wtf?!
Ich fürchte, das werd ich mir noch eine Weile selbst nachtragen, dass ich da zu blöd war, um mir rechtzeitig ein Stehplatzticket zu sichern - und mich so um ein vermutlich ziemlich geniales Konzerterlebnis gebracht hab.
1 comment:
perfektion - dein vulgo is simo!!! ;-DOO
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