Ich weiß nicht, ich versteh die Leute einfach (sehr häufig) nicht - und ziemlich oft verstehn sie mich scheinbar auch nicht so recht. Das Ganze spielt sich aber auf einer Ebene ab, die mir zunehmend Sorgen macht, weil ich sozusagen mit offenem Mund dastehe und mir denk "Ich - versteh - die - Leute - nicht!" und für das Ausmaß dieses Erstaunens keine rationale Erklärung mehr find. Umso erschüttender (bzw. nein, wahrheitsgemäß muss es "ärgerlicher/nervtötender/lästiger" lauten), wenn die "Leute" dann auf meine Erklärungs- und Diskussionsversuche mit irgendwelchem Scheiß reagieren, der jetzt doch (in meinen offensichtlich völlig verblendeten Augen) garnichts mit dem eigentlichen Thema zu tun hat bzw. an diesem vorbeireden bzw. einfach nicht checken, was gemeint ist bzw. sich nicht die Zeit nehmen, 5 Sekunden zu reflektieren, was gemeint sein könnte bzw. einfach SCHWACHSINN reden (ich weiß, damit mach ich's mir einfach). Vorzugsweise kommt die Antwort in solchen Fällen verpackt in bemüht coolen und reißerischen "ha, jetzt zeig ich's dir aber mit meinem Killerargument"-Phrasen - bloß hat (wiederum scheinbar nur(?) für mich) das "Killerargument" meist weder Hand noch Fuss, noch nennenswerten Bezug zum aktuellen Kontext. Davon abgesehen scheint das offensichtlich rezessive Gen, welches das Verständnis von so wundervollen Stilmitteln wie Ironie und Sarkasmus ermöglicht, rapide im Rückgang begriffen zu sein.
Ich kenne bzw. eher kannte mal jemanden, der "offiziell" als hochbegabt diagnostiziert war; demensprechend auch Mitglied bei diesem elitären Mensa-Verein für große Gehirne mit einem IQ über 250 (oder so) und interessiert an professionellem Schachspiel während gleichzeitiger Beobachtung der Sonnenflecken, James Joyce-Lektüre und fachgerechter Zubereitung potentiell hochgiftiger Fugu-Filets. Dazu hört er btw gerne Queen - das war der Überschneidungspunkt. :) Jedenfalls stellen sich ja viele Hochbegabung vermutlich ganz cool vor, weil das verbreitete Bild irgendwo zwischen "hui, da is man ganz gscheit und tut sich leicht in der Schule" und Rain Man-artigen Kunststückchen liegt. Tatsächlich hat er allerdings - abgesehen von diversen, teilweise ziemlich gravierenden anderen Problemen bzw. Anpassungsschwierigkeiten im Lauf der Zeit - beschrieben, dass er sich zeitweise seltsam "losgelöst" von vielen seiner Mitmenschen (insbesondere wohl solchen, zu denen keine persönliche/emotionale Beziehung besteht) fühlt, und deren Tun und Lassen mit einer leicht irritierten Distanz beobachtet (man denke an H.G. Wells' Vergleich mit der Beobachtung von Tierchen in einer Petrischale am Beginn von War of the Worlds; übrigens eine definitive Leseempfehlung). Er hatte den Eindruck, dass ihm trotz - oder eher schon wegen - seiner vergleichsweise überlegenen Intelligenz unfreiwillig viele ihrer Taten, Gefühlsregungen, Aussagen,... einfach nicht nachvollziehbar erschienen - vermutlich die gleiche Dynamik, der sich ein begeisterter Anhänger der Rational Choice-Theorie gegenüber sieht, wenn er versucht, das Verhalten der beteiligten Akteure während einer besonders schmutzigen Ehekrise zu beschreiben.
Nun is ja der Gedankengang "keiner versteht mich, weil alle so viel dümmer sind als ich" wie wir wissen eines der klassischen Anzeichen für die Entwicklung einer handfesten psychischen Störung im aufregenden Spektrum zwischen Narzissmus und Größenwahn - und Überheblichkeit is ja sowieso eine der mir verhasstesten Charaktereigenschaften. Aber die Alternative dazu is wohl auch nicht weniger beunruhigend - möglicherweise irgendeine unauffällige Form von Autismus? So oder so (oder höchstwahrscheinlich weder noch) hab ich keine Möglichkeit, daraus irgendein Gefühl der Überlegenheit zu schöpfen oder dies gar für meine eigenen Zwecke (und was sind die, eigentlich?) auszunützen - es bleibt nur entnervte Irritation und die zunehmende Gewissheit, dass ich mit 40 allein auf einem Berggipfel auf Santorin hocken werde, oder so.
1 comment:
beneidenswerte Gedanken- bzw. Gemütszustände! die Alternative zu 40 Jahre Santorin: Gedanken über die Gedanken der eigenen Brut, Sorgen über/mit dem Lebensabschnittspartner, Zahlen auf Kontoauszuegen, Zweifel am eigenen Verstand, was da oft bleibt: Sehnsucht nach Santorin!!! Dem Himmel sei Dank, das ist jetzt nicht von mir: im sure, i know nothing ;-D))` ...was bleibt ist die Liebe
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