14/01/2008

Schmutz der Woche

1) Susanne Winter (FPÖ-Spitzenkandidatin bei der kommenden Grazer Gemeinderatswahl). Zuerst das Falter-Interview, in dem sie unter anderem davon spricht, dass "Neger" genetisch dazu bestimmt wären, sich Weißen unterzuordnen, und die Aussage ihres Sohnes Michael Winter (Landesobmann Ring Freiheitliche Jugend), man solle doch Schafe in den Stadtpark treiben, damit die Muslime die Schafe schänden, anstatt dort Frauen zu vergewaltigen, verteidigt und als "witzig" bezeichnet.
Nochmal ordentlich nachgelegt wurde dann gestern beim FPÖ-Neujahrstreffen (wo natürlich auch HC(adè) Strache vertreten war, der neben seiner Parteikollegin mit dem üblichen stumpfen Gestammel aber reichlich farblos ausfiel), mit allfälligen Ausfälligkeiten gegenüber dem Islam. Dagegen hat sogar der Kärntner Pharao ("Ein herzliches Grüß Gott an euch alle – weil noch darf man ja Grüß Gott sagen und muss nicht sagen ‚Allah ist groß‘") beim zeitgleichen BZÖ-Treffen ziemlich zahnlos gewirkt.

2) Einen eigenen Punkt verdienen die Österreicherinnen und Österreicher, die dafür sorgen, dass man mit derartigen Aussagen bei aktuellen Umfragen 13% der Stimmen erhalten kann. Und die Leute, die mich seit Wochen am Psychopathentelefon anrufen und ihre verzichtbaren Kommentare zu den Ereignissen rund um Arigona Zogaj abgegeben. Die übelkeitserregende Bandbreite reicht von eindeutig nationalsozialistischem Gedankengut bis zu unverhohlen sexuellen Untergriffigkeiten gegenüber einer 15jährigen; dazwischen die üblichen "ich hab ja nichts gegen Ausländer, aber..."-Kommentare.

3) Günther Platter. Ohne Worte, dafür mit Verweis auf http://www.platterwatch.at.

4) Der Verfasser dieses emails, welches nichtmal neu ist, inzwischen aber seit einigen Tagen als omnipräsentes Massenmail kursiert. Die Posteinlaufstelle des Psychopathentelefons hat das grässliche Geschreibsel inzwischen fünf Mal erhalten (nb: keiner der 5 Einbringer hat sich auch nur die Mühe gemacht, den etwas extravaganten Schreibstil ansatzweise abzuändern); dienstplanbedingt fiel mir die wundervolle Aufgabe zu, den Antwortentwurf vorzubereiten. Also, nochmal gaaaaanz langsam:
1) Asylwerber sein macht keinen Spaß und ist nicht als alternative Einnahmequelle geeignet. Somit disqualifiziert sich der gezogene Vergleich ohnehin von Anfang an selbst.
2) Falls das nicht reicht: Die in dem Schreiben genannten Zahlen sind grob unrichtig und irreführend. Weder Essens- noch Bekleidungsgeld werden in bar ausbezahlt. Das Essensgeld fließt direkt an die Einrichtungen, in welcher die Asylwerbenden untergebracht und verköstigt werden, außerdem werden damit zB Hygieneartikel abgedeckt. Das "Bekleidungsgeld" entspricht dem ungefähren Gegenwert der durch Volkshilfe, Caritas usw. zur Verfügung gestellten Sachleistungen. Außerdem: Einer Familie mit drei Kindern steht in Ö nicht bloß der Betrag für ein Kind x3 zu (= im email angeführt), vielmehr erhöht sich die Familienbeihilfe pro Kind mit der Anzahl der Kinder. Weiters hätte eine Familie dieser Größe mit diesem Einkommen u.a. Anrecht auf Wohnbeihilfe, Heizkostenzuschuß, Befreiung von den GIS-Gebühren, Familienzuschüsse für Kinder unter drei Jahren,... (je nach Bundesland verschieden).
3) Wer in irgendeinem auch nur ansatzweise auf Wahrung der Menschenrechte bezogenen Sachverhalt (das Recht auf Asyl beruht auf der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951, sowie deren Zusatzprotokoll 1967) ernsthaft die USA als positiven Vergleich heranziehen will, hat nichts kapiert. Aber wirklich gar nichts.

5) Die mich in meiner offensichtlich maßlosen Naivität völlig unvorbereitet treffende Herdenvieh-Mentalität von Parteischafen angesichts himmelschreiender (und niveauloser) Intrigen und Ungerechtigkeiten. Wie wenig zu gewinnen sein muss, damit Leute andere auf billigste Art & Weise austricksen und wieviele dabei einfach zuschauen, ohne etwas dadurch zu gewinnen; bloß aus Gehorsam, Desinteresse und schlichter Dummheit. Alle Hoffnung wurde in ein klärendes Gespräch mit dem Obersten Chef gesetzt, der diverse Doppelzüngigkeiten unverzüglich aufdecken könnte - aber nein, vielmehr steht man als Unruhestifter da, wenn man sich nicht kommentarlos verarschen lässt (und danach noch dafür bedankt, idealerweise). Freundschaft!

4 comments:

Anonymous said...

edle donna quixote, so lasset uns den ehrhaften kampf ausfechten und erlaubt mir euer getreuer schuldknappe zu sein !! ;-D))

Anonymous said...

Völker, hört die Signale! Auf, zum letzten Gefecht! Die Internationale erkämpft das Menschenrecht! Völker, hört die Signale! Auf, zum letzten Gefecht! Die Internationale erkämpft das Menschenrecht.

critically_acclaimed said...

Tststs... Leute, Leute... Was soll denn das mit den anonymen Einträgen?! Der Güni und ich wissen doch sowieso, wer ihr seid.
nb: angesichts der derzeit scheinbar angebrachten Paranoia wurde das Profil der Verfasserin aus Sicherheitsgründen entsprechend überarbeitet. Lang lebe der Große Bruder!

Anonymous said...

Freundschaft! so manchem politologen, oder warens doch die polütiker, sind solche kommentare nach 10-20 jahren zum verhängnis geworden. sogar dem dicken churchill ... ;-D))